Heizen mit Sonne und Holz

Alternatives Energiesparkonzept für Wohnhäuser setzt auf Solarkollektoren und integrierten Wasserspeicher

Waldsassen /Oberpfalz (prs). – Die Energieeinsparverordnung (EnEV) beherrscht unverändert die Diskussion unter Bauplanern und Architekten. Beim Wohnungsneubau geht es dabei um die Frage, welches Konzept für Ein- oder Zweifamilienhäuser am besten geeignet ist, um den Energieverbrauch langfristig reduzieren, ohne dass die dafür notwendigen Investitionen für den Bauherren unwirtschaftlich werden? Oberhalb der ohnehin schon strengen Vorschriften der neuen EnEV 2009 existieren bereits mehrere unterschiedliche Modelle und Begriffe wie „Energieeffizienzhaus 55 oder 70“, „Niedrigenergiehaus“ oder auch „Passivhaus“. Mit dem „Sonnenhaus“ gesellt sich zwar kein neues, aber immer noch weniger bekanntes Konzept hinzu – es setzt darauf, einen Großteil des Wärmebedarfs über Sonnenenergie abzudecken. 

„Grundsätzlich liefert die Sonne ausreichend Energie für die Vollversorgung eines Wohnhauses“, lautete die These von Dipl.-Ing. Georg Dasch, Gründer des Sonnenhaus-Instituts e.V. anlässlich der „Baukeramischen Tage“ in Waldsassen. Das Ende der 80er Jahre von der Ziegelwerk Waldsassen AG Hart Keramik ins Leben gerufene Expertenforum für Bauplaner und Architekten greift regelmäßig aktuelle Trends rund um das Energiesparen auf. Das Hauptproblem, so Dasch, habe allerdings bisher immer darin bestanden, Solarenergie speicherbar und jederzeit abrufbar zu machen. 

Der Architekt präsentierte hierfür eine vergleichsweise einfache Lösung: Großflächige und partiell verstellbare Sonnenkollektoren auf dem Dach und an der Fassade nehmen die Sonnenstrahlung optimal auf. Ein in das Gebäude integrierter großer Wassertank dient als Speichermedium für überschüssige Solarenergie. Er stellt die Versorgung mit Heizwärme und Warmwasser über ein internes Rohrsystem sicher. Für kalte oder sonnenarme Tage sieht das Sonnenhaus-Konzept eine ergänzende Heizquelle vor, die allerdings mit erneuerbaren Rohstoffen aus der jeweiligen Region wie z.B. Holz betrieben werden sollte. 

Streng genommen würde das Sonnenhaus auch ohne Zusatzheizung funktionieren, erklärte Dasch. Allerdings würde dies einen nicht unerheblichen Mehraufwand in Solartechnik und Wärmedämmung des Hauses bedeuten. Der Architekt: „Unter wirtschaftlichen Aspekten ist eine Abdeckung von 70 Prozent des Wärmebedarfs durch Sonnenergie die optimale Variante.“ Das lässt sich nach seinen Berechnungen beispielsweise problemlos durch eine monolithische Ziegelwand ohne zusätzliche Dämmschicht – wie etwa beim Passivhaus erforderlich - erreichen, beispielsweise durch moderne hoch Wärme dämmende Porotonziegel. Ein Sonnenhaus aus Ziegeln in Massivbauweise verbraucht demnach sowohl beim Bau als auch beim Betrieb deutlich weniger Energie als ein vergleichbares Passivhaus. 

Zum Passivhaus, das ebenfalls auf die – allerdings nur passive - Nutzung von Sonnenergie setzt, zog Dasch bei den „Baukeramischen Tagen“ eine weitere Trennlinie: Das Sonnenhaus verzichtet im Gegensatz zum Passivhaus auf eine automatische Wohnraumbelüftung, die einen nicht unerheblichen Stromverbrauch verursacht und nicht selten vom Bewohner als Verschlechterung des Raumklimas empfunden wird. „In bestimmten Situationen greifen sie lieber auf die seit Jahrhunderten vertraute Form des Lüftens zurück. Mit dem Sonnenhaus wird daher ein ganz normales Nutzerverhalten wieder möglich“, betonte Dasch.

Das Sonnenhaus-Konzept entwickelte der Bauexperte bereits Ende der 90er Jahre. Das von ihm 2004 gegründete Sonnenhaus-Institut versteht sich als Kompetenz-Netzwerk von Planern und Firmen, die als Mitglieder am Erfahrungs- und Informationsaustausch teilnehmen. Im zurückliegenden Jahrzehnt entstanden bereits mehr als 400 Sonnenhäuser in Deutschland, Österreich, Italien und in der Schweiz. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Themen Energieeinsparung und Klimaschutz rechnen Fachleute mit einem raschen Anstieg der Zahl.

Mathias v. Bredow